Die Erkenntnis

Mit zunehmendem Alter wird mir immer bewusster, dass ich den Sinn und Zweck meines Seins – jetzt und hier an diesem Platz der Unendlichkeit – etwas klarer sehe.

Dazu brauchte ich all die durchlebten Momente im ersten Viertel meines Erdendaseins in relativ unbekümmerter Weise auf die dargebotenen Vergnügungen eingehend. Ich brauchte ebenso das zweite Viertel meines Seins im Durchleben extrem materieller sowie zwischenmenschlicher Hoch und Tiefs.

Die Erkenntnis, die ich jetzt fast am Ende meines dritten Lebensabschnitts gewonnen habe, stimmt mich leicht traurig und melancholisch. Ich fühle immer mehr und stärker, dass eine Vereinsamung stattfindet. Ein sich entfernen vom Materiellen und ein sich entfernen von wirklich echten sowie tiefgründigen Beziehungen zu allem Leben um mich herum. Ist das nun schon der Beginn vom Abschied aus dem Jetzt und Hier, noch bevor der Winter des Lebens richtig begonnen hat? Oder ist es die unumstössliche Notwendigkeit für die nächsten Schritte auf dem Weg der Vollendung des Seins im Hier? Wird diese Einsamkeit der Begleiter für den Rest des Herbstes und Winter meines noch bevorstehenden Lebensabschnitts auf diesem Planeten sein?

Diese Fragen kann ich einfach nicht beantworten, weil das Jetzt und Hier in der nächsten Sekunde schon gelebte Vergangenheit ist. Erst aus Sicht des Durchlebten kann ich im endgültigen Moment des Gehens vom Jetzt und Hier mit Bestimmtheit erkennen, ob der Herbst und Winter meines Lebens von Einsamkeit bestimmt war. Dass der Moment des Gehens schon in der nächsten Sekunde Wirklichkeit sein kann, ist mir nicht nur bewusst, sondern ich bin darauf vorbereitet. Ja, ich ersehne ihn sogar! Ich ersehne ihn, weil eben die gewonnene Erkenntnis eingetroffen ist, im Jetzt und Hier.

Aber ich erkenne auch, dass ich jetzt und hier beginnen muss, mich selbst zu lieben. Dabei halte ich mich einfach nur an Erkenntnisse anderer, die wesentlich populärer wurden als ich. Ich muss also nur das wirklich umsetzen, was ich schon im Frühling meines Lebens als intuitive „Weisheit“ von mir gegeben habe und, was sich bis heute fast wie ein roter Faden durch mein Leben gezogen hat. Die Erkenntnis nämlich, sich damit abzufinden dass man im Endeffekt immer alleine ist. Und sich selbst trotzdem zu lieben. Sich nicht dem Irrglauben hinzugeben, dass man damit egoistisch oder introvertiert ist. Sondern weiterhin sein Bestes zu geben zum Meistern des Jetzt und Hier. Dies war schlussendlich mein persönlicher Wille, um die vier Jahreszeiten meines Lebens in diesem Jetzt und Hier zu durchwandern.

Die letzte Phase meines Seins wird bestimmt davon geprägt sein, dass ich meine „Einsamkeit“ als weitere Prüfung akzeptieren muss. Ich muss akzeptieren, dass die Einsamkeit der Ursprung aber auch der Endeffekt des allumfassenden Schöpfungsaktes ist. Dieser Akt, der alles beinhaltet, was gegensätzlich erscheint. Das Eins-Sein mit Allem beinhaltet die Akzeptanz, dass das vernichtend Böse genauso dazu gehört, wie das liebend Gute. Wie das Weiss und das Schwarz. Wie das Hart und das Weich. Wie das Tote und das Lebendige. Wie das Endliche und das Unendliche.

Gerade weil ich relativ spät zur Erkenntnis gelangte, bin ich davon überzeugt, dass mir noch ein relativ kurzer Herbst und langer Winter bevorsteht. Ich und die Schöpfungskraft in mir und durch mich wollen diese meine letzten Jahreszeiten des Lebens auf dem „Lebewesen“ Erde sinnvoll, erfüllt von Liebe und Dankbarkeit sowie Respekt zu allem Anderen um uns herum in Würde beenden.

Meine persönliche Erkenntnis am Schluss der durchwanderten „vier Jahreszeiten“ – meiner persönlichen vier Jahreszeiten – des materiellen Seins im Hier und Jetzt wird meiner Unsterblichkeit dann zeigen, dass mein gewolltes Leben in dieser Dimension für Alle und Alles einen Sinn machte und der Weg zurück zur Quelle um einige Schritte kürzer sein wird.

Wie und wo dieser „neue Weg“ zu beschreiten ist kann und will ich nicht wissen. Es wird der Weg sein, den meine Unsterblichkeit und die allumfassende Schöpfungskraft neu definieren und bestimmen!

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